Filmpolitik

Filme und Serien bewegen uns, rufen Emotionen hervor, öffnen Türen zu neuen Welten und fremden Leben, regen zum Nachdenken an, unterhalten und informieren uns. Dafür benötigen wir eine vielfältige und lebendige Filmkunst und Filmwirtschaft – neben kommerziell erfolgreichen Mainstreamfilmen braucht es auch ungewöhnliche und innovative Filme, bei denen sich Kreativität und künstlerische Freiheit nicht indirekt einem wirtschaftlichen Druck unterordnen. Um dies zu gewährleisten und qualitativ hochwertige Filme zu entwickeln und zu produzieren, sowie die Kinowirtschaft und den Film- und Medienstandort Deutschland zu fördern, braucht es eine funktionierende Filmförderung. Ich setze mich daher für eine grundlegende Überarbeitung des Filmförderungsgesetzes ein, das Transparenz, Rechtssicherheit, finanzielle Planbarkeit, internationale Vergleichbarkeit, kreative Prozesse sowie eine bürokratische Entlastung in den Mittelpunkt stellt.

Reform der Filmförderung

Das Filmförderungsgesetz (FFG) hat das Ziel die deutsche Filmwirtschaft und die kreativ-künstlerische Qualität des deutschen Films zu stärken. Konzipiert wurde es als Solidarsystem. Alle Wirtschafts-zweige, die vom Film profitieren, sollen in den Fonds der Filmförderungsanstalt (FFA) einzahlen. Förderungen aus dem Fonds sind an eine Kinoauswertung gebunden.

Doch die Rahmenbedingungen rund um das Kino und den Kinofilm haben sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Die Digitalisierung verändert stetig Produktionsweisen und Vertriebsstrukturen der Filmbranche, die Pandemie beschleunigte den Prozess und setzt vor allem die Kinos unter Druck, die monatelang geschlossen waren. Für eine lebendige und wirtschaftlich funktionierende Kinokultur brauchen wir neben kommerziell erfolgreichen Mainstreamfilmen auch ungewöhnliche und innovative Filme, bei denen sich Kreativität und künstlerische Freiheit nicht indirekt einem wirtschaftlichen Druck unterordnen.

 

Der überwiegende Teil der von der FFA geförderten Filme erreicht eine kaum wirtschaftlich erfolgreiche Zielgröße und bleibt weit hinter den allgemeinen Erwartungen national wie international zurück. Das Fördersystem bringt beim Spagat zwischen antizipiertem wirtschaftlichem Erfolg und kreativ-künstlerische Qualität zu viel Mittelmaß hervor.

Der Schwerpunkt der Förderung auf den Produktionsprozess führt zu Quantität statt Qualität.

Die Masse an Inhalten führt dazu, dass viele Filme in kurzen Zeitfenstern im Kino laufen, was wiederum den Zuschauendenzahlen abträglich ist. Durch die ans Kino gebundene Auswertung sind Filme im Kino zu sehen, obwohl nicht jeder Stoff für das Kino gemacht ist und deren Auswertung auf anderen Wegen erfolgreicher wäre. Diese Erkenntnis ist angesichts der Tatsache, dass viel Geld seitens Bund und Länder bereitgestellt wird, unbefriedigend.

Zugleich existiert ein Geflecht aus Fördergremien und anderen öffentlichen sowie privaten Geldgeber*innen, sodass die Entscheidungsprozesse oftmals langwierig und intransparent sind. Die meist geringen Fördersummen erfordern zudem häufig eine Förderkumulation und führen zu einem logistisch aufwändigen, unökologischen sowie künstlerisch oft fragwürdigen „Fördertourismus“.

 

Um qualitativ hochwertige Filme zu entwickeln und zu produzieren, sowie die Kinowirtschaft und den Film- und Medienstandort Deutschland zu fördern braucht es daher – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – einer grundlegenden Überarbeitung der Filmförderung, die Transparenz, Rechtssicherheit, finanzielle Planbarkeit, internationale Vergleichbarkeit, kreative Prozesse sowie eine bürokratische Entlastung in den Mittelpunkt stellt.

 

Im Rahmen einer umfassenden Reform der Filmförderung, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Entzerrung von Wirtschafts- und Kulturförderung
  • Entwicklung eines filmpolitischen Konzepts, dass die Filmförderungsinstrumente von Bund und Ländern aktualisiert und harmonisiert mit dem Ziel einer gesamtheitlichen Filmförderstruktur
  • Prüfung von steuerlichen Anreizmodellen und/oder Investitionsverpflichtungen
  • Umfassende Evaluation der gesamten Filmbranche, in welcher die Auswirkungen der Digitalisierung, der Marktveränderungen und der Pandemie auf die Branche untersucht werden
  • Etablierung fairer, sachgerechter und transparenter Entscheidungswege
  • Bessere Förderung von Drehbuch- und Stoffentwicklung
  • Bessere Förderung von Fachkräften sowie des Nachwuchses
  • Stärkung von Diversity, Geschlechtergerechtigkeit, Barrierefreiheit sowie Nachhaltigkeit beim Film
  • Sicherung des Kinos als Kulturstandort

Dritte Orte

Physische Räume für Begegnung und Austausch, an denen das soziale Miteinander keiner Profitlogik folgt – in unserer durchökonomisierten und digitalisierten Gesellschaft gibt es sie immer weniger. Dabei hat gerade auch die Corona-Krise gezeigt, dass sich das Leben nicht vollständig ins Internet verlegen lässt und soziale und kulturelle Teilhabe auch einen physischen Ort braucht, wenn soziale Beziehungen gedeihen sollen. Dritte Orte, nach dem stadtsoziologischen Konzept von Ray Oldenburg Orte des Soziallebens jenseits von Familie und Arbeit, sind offene Experimentierräume der zweckfreien Begegnung, der Kreativität und Beteiligung – von Kulturzentren über Jugendclubs bis hin zu Bibliotheken. Um solche Orte zu fördern, braucht es sinnvolle Konzepte der Unterstützung. Gerade für ländliche Gebiete ist es wichtiger denn je, solche Freiräume zu schaffen, um unsere kulturelle Infrastruktur zu erhalten und zu erweitern.

Literaturförderung

Kultur ist ein wesentlicher Herzschlag unseres Gemeinwesens. Dort wird wie in einem Laboratorium verhandelt, was für eine Gesellschaft wir sein wollen, welche Ideen wir für unsere Zukunft entwickeln oder wie wir unsere Vergangenheit betrachten. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Literatur, die den vielfältigen Stimmen unserer Gesellschaft Form und Bestand gibt. Bücher bauen Brücken zu anderen Kulturen oder gesellschaftlichen Sphären und ermöglichen es einem breiten Publikum, sich in fremde Perspektiven und Erfahrungswelten hineinzuversetzen. Der Erhalt einer vielfältigen Verlagslandschaft liegt mir daher besonders am Herzen. Alle am Prozess der Entstehung von Büchern Beteiligten – Autor*innen, Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken – benötigen gute und stabile Rahmenbedingen, denn nur so kann das „Ökosystem Buch“ auf lange Sicht lebendig bleiben.

 

 

Reden

57. Sitzung vom 29.09.2022 – Harmonisierung der Sanktionsdurchsetzung in der EU

Ämter & Ausschüsse

Obmann

Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union

Ordentliches Mitglied

  • Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union

Stellvertretendes Mitglied

  • Ausschuss für Klimaschutz und Energie
    Ausschuss für Kultur und Medien

Fragen und Termine?

E-Mail:

michael.sacher@bundestag.de

Telefon:

Berlin: 030 227 7170